1. österreichischer poetry slam 2009

am 13.januar 2009 fand der erste poetry slam dieses jahres im österreichischen raum statt. es war der allmonatliche dialekt-poetry-slam “wos host gsogt”, organsiert/moderiert vom tschif (http://www.tschif.at.nr), der zum bereits 27. mal stattfand (also der slam und nicht der tschif :)).

VORRUNDE:

den abend begonnen hat manuela, das geburtstagskind des abends, mit einer kaberettistischen reise nach australien (mitsamt menschenfressern u.ä.)
im regulären programm traten dann an:
– el awadalla: erwischte das pech der von slammerInnen traditionell gefürchteten startnummer 1, brachte einen text mit dem titel “schimpf & schande, guten tag”, in dem es u.a. um die abschaffung von hausbesorgerInnen und g’rade michaelas ging.
– es folgte markus köhle, der fluchdurchhängerisch tirolerische flüche (à la saubeidl) brachte, sowie den titel des poetry slams (“wos host gsogt?”) ins tirolerische übersetzte (müßte in einer halbwegs passablen transkriptionsvariante in etwa “wosch hoscht gset” lauten)
– nr. 3 war dann ein slam-neuling. nämlich norbert gult: gedichte über die nachsilvestrige waage, das radlfahren in wean und die hiesige ausländerfeindlichkeit folgten.
– dann ging es wieder nach tirol: tanja ghetta begeisterte mit zwei texten: einem über winterdepressionen sowie einer weihnachtspredigt (in der die chrischtinnen endlich für den männern gleichwertig befunden und die fetten weihnachtsmänner am balkon sowie die bei der christmette in der letzten reihe stehenden alkoholiker kritisch hinterfragt wurden, aber vor allem die interpretation des weihnachtsfestes als wein-achterl kritisch beleuchtet wurde).
– andi plammer parodierte die millionenshow als dialog von armin assinger mit sich selbst. es sind die komantschen, die von der hausbergkante pfeifen und es ist a) paris die hauptstadt von frankreich (und nicht etwa eine gewisse hilton-lady).
– didi sommer erzählte vor allem tellermärchen (über den schnellen teller, den teller im krieg und das kleine, schirche tellerchen).
– harry p. trug zwei texte vor: einen über verhältnisse (erinnerte leicht an schnitzlers reigen) und ein silvester-gedicht.
– jimi lend folgte mit einem liebes-blues: ein (wohl männliches?) ich, das eine frau begehrt, die aber das lyrische ich bloß als guten freund (“bruder”) sieht (“baby, schau mi an, i bin a a mann”).
– schließlich als letzter dino, der zuerst in einem text namens “nationalratswahl” xenophobe klischees bearbeitete und dann einen polarisierenden text zum nahost-konflikt vortrug.

nach dieser vorrunde konnte man von einer tiroler geschichte sprechen (passend zum heurigen 200. andreas-hofer-jahr). markus köhle lag mit 26 punkten ganz knapp vor tanja ghetta mit 25 punkten in führung. ebenfalls für das finale qualifiziert: didi sommer, jimi lend, dino.

FINALE:

– dino brachte eine alkoholische geschichte nach einem fußballspiel im burgenland mit einem hund.
– jimi lend folgte überaus gesellschaftskritisch (keine gewerkschaftsfreiheit in china bzw. ein text mit titel “bam”, in dem ein verdacht durch die nacht “krocht”, nur noch ein “strach” da ist, nämlich “a wacholder” und das fiktive kapital hinterfragt wird).
– didi sommer brachte körperliche elemente (=seinen berühmten kopfstand) ein, ansonsten ein schaukelgedicht, ein weiteres tellermärchen (“tellerwäscher beim militär”) sowie einen heimattext, in dem es um seine gegend geht, aus der er kommt.
es folgte dann der ultimative originär tiroler showdown der beiden erstplazierten der vorrunde:
– tanja ghetta brachte einige kurzgedichte, die von aufenthalten in ihrer (tiroler) heimat inspiriert waren (“auf der ofenbank”, “trauer”, “da pfaff” sowie einige texte aus der reihe “gipfeltourischten” und zum abschluß ihr manchen bereits bekannter klassiker “_ oder eine liebeserklärung”.
– den abschluß bildete markus köhle. auch bei ihm ging es um _ (nämlich den mit CK, also “SECKS”). er machte erstmal auf den unterschied tiroler unterland vs. oberland aufmerksam, meinte dann “i knedel di” und “i wurscht di” und sowieso “bring ma’s hinter ins (…) weil i bin a tiroler”).

somit war recht klar, daß die entscheidung nur eine innerhalb des tiroler dialektismus sein konnte. nachdem markus köhle bereits die vorrunde mit einem knappen punkt vorsprung auf tanja ghetta gewinnen konne, blieb es im finale genauso: markus köhle gewann das innertirolerische duell mit 27:26 (wobei tanja ghetta im finale dann den einziger zehner des abends, also die absolute höchstnote, ergattern durfte).

ERGEBNIS:

VORRUNDE:

opferlamm: manuela 22

1. el awadalla 21
2. markus köhle 26
3. norbert gult 21
4. tanja ghetta 25
5. andi plammer 21
6. didi sommer 24
7. harry p. 20
8. jimi lend 23
9. dino 23

FINALE:

1. dino 22 (7/7/7/8/9)
2. jimi lend 23 (7/7/8/8/9)
3. didi sommer 25 (7/8/8/9/9)
4. tanja ghetta 26 (8/8/9/9/10)
5. markus köhle 27 (8/9/9/9/9)

somit das ENDERGEBNIS:

es gewann:

1. markus köhle
2. tanja ghetta
3. didi sommer

der nächste dialekt-poetry-slam findet am 10.2.2009 (wie immer) im kulturcafe tschocherl (15., wurmsergasse 42, nähe u3 johnstraße) statt. jeden zweiten dienstag im monat.

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Andi Pianka

Veröffentlicht von

Autor (dutzende Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften & Anthologien), Slammer (seit 2006 an über 240 Slams in A, D, CH, I teilgenommen, davon 34 gewonnen - Stand: Mai 2018), (Mit-)Organisator von kulturellen/literarischen Veranstaltungen (Lesungen, Open Mics etc.), 2008 GIPS-Teilnehmer im Teambewerb, 2010 geladener österreichischer Vertreter bei der "Internationalen Slam! Revue" in Berlin, 2012 Slam-Workshopleiter in Cluj/Rumänien, 8-facher Ö-Slam-Teilnehmer. Gewinner des St.Pöltner "Ingeborg-Flachmann-Preis" 2017.

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